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Reiseberichte und Reisetagebuch aus Ländern Südostasiens
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Reisebericht VIETNAM 2003 Seite 9/9
 
Tag 9 «  
 

Als wir endlich in Da Lat ankamen, waren wir über 6 Stunden unterwegs gewesen, und wenn wir bei Tageslicht zurückfahren wollten, hätten wir sofort umkehren müssen. Uns war alle Lust auf Sightseeing vergangen, der Magen knurrte und wir waren psychisch fertig. Wir wollten uns nur nach einer anderen Rückfahrtmöglichkeit erkundigen und etwas essen. Nach der Wegrecherche kehrten wir im nächsten großen Hotel ein, doch der dringend benötigte Schnaps war nur aus einem Kübel mit eingelegten Schlangen möglich. Also Tee, der war gut und tat gut. Die Tomatensuppe enthielt so viele unbekannte Schwebteilchen, dass wir auch darauf verzichteten.

Adieu, Palmira - Resort! Noch ein Abschiedsfoto vor dem Hauptgebäude (Rezeption und Restaurant).
Adieu, Palmira - Resort! Noch ein Abschiedsfoto vor dem Hauptgebäude (Rezeption und Restaurant).

Einen kurzen Ausflug in die berühmte Markthalle von "Klein Paris" konnten wir nicht wirklich genießen, zumal gerade alle Verkäufer mit ihrer Reisschale am Boden hockten und kein Interesse am Verkaufen zu haben schienen. In Anbetracht des starken Regens und des alten Autos wollten wir nur noch zurück in unser Hotel in Phan Thiet. Wir ahnten einige Schwierigkeiten auf der Rückfahrt, die auch in überreichem Maße eintrafen.

Zuerst machten wir dem Fahrer in Englisch klar, dass er heimwärts die "big road" zu nehmen hätte, danach baten wir einen Englisch sprechenden Taxifahrer, Mr. An das noch mal deutlich in Vietnamesisch zu erklären. Das tat er dann auch für die ersten Kilometer, um dann auf einer Seitenstraße doch wieder die engen Kehren zu nehmen. Am Fuße des Gebirges atmeten wir erstmal auf und wollten endlich etwas essen, aber in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit ließen wir doch nicht halten. Wir sind ja beide gut beieinander und können ruhig auf einige Mahlzeiten verzichten. Glücklicherweise hatten wir genug Wasser und einige Erdnüsse dabei.

Nach einigen Kilometern hielt Mr. An auf freier Strecke an: er öffnete die Motorhaube, sagte, er müsse mal und verschwand mit einer Zeitung für wenigstens eine Viertelstunde im Gebüsch. Es donnerten LKW`s und Busse an uns vorbei, so dass wir nicht wagten, auszusteigen. Als er endlich wiederkam, las er ein Stöckchen vom Wegesrand auf und stocherte damit im Tank herum. Nach 10 Minuten Fahrt wussten wir, warum. Das Benzin war alle. Wir standen wieder auf freier Strecke im Regen und es wurde bereits dunkel. Wieder das Spiel mit dem Stöckchen, erfolglos. Uns war das Lachen vergangen, als Mr. An eine Mitfahrtgelegenheit auf einem vollbesetzten Moped fand und uns Richtung Tankstelle verließ.

Da wir langsam genug hatten (es waren noch gut 100 km zum Ziel) wollten wir einen Bus anhalten und die Heimreise auf eigene Faust fortsetzen. Aber Mr. An war schneller als gedacht mit ca. einem halben Liter Sprit zurück. An der nächsten Tankstelle forderten wir "full!", doch es wurde wieder nur wenig Sprit getankt. Die Kilometer zogen sich, da wir nur sehr langsam fuhren und es inzwischen dunkel war. Die Laster donnerten haarscharf an uns vorbei und wir fürchteten, nicht ausreichend beleuchtet zu sein. Etwa 15 km vor dem Ziel hielten wir erneut an einer Tankstelle, um nochmals einige Tropfen zu tanken. Danach war leider die gesamte Fahrzeugbeleuchtung ausgefallen…

Wir stiegen aus. Keinen Meter wollten wir mehr in dieser Schrottmühle fahren und drohten mit der Polizei. Er sollte nach einem Taxi telefonieren! Wir warteten eine halbe Stunde an einer dunklen Straße, hinter uns einige ärmliche Hütten und jede Menge Hunde. Und es regnete.

Dann endlich kam der Minibus des Reisebüros, mit dem wir am Vortag die kurze Tour zu den Cham - Tempeln gemacht hatten. Mit Benzin. Und mit Licht! Zehn Minuten später waren wir in unserem Hotel, wo Mr. An gut bekannt und offensichtlich auch geachtet war. Nachdem wir am nächsten Tag unsere Erlebnisse dem zufällig vorbeikommenden Manager berichtet hatten, gab es bestimmt Ärger.

Nur noch zwei Tage bis zu unserer Abreise und noch immer hatte sich kein Reiseveranstalter gemeldet. Langsam interessierte es uns dann doch, ob und wann wir abgeholt werden sollten und ob unsere Flüge rückbestätigt werden mussten. Immerhin waren die 200 km zum Flughafen nach Saigon hier eine Tour von 4 - 5 Stunden. So rief ich die Notfall-Nummer beim Indochina-Service in Saigon an und erhielt auch einige Stunden später ein Fax mit den gewünschten Informationen. Nun konnten wir die letzten beiden Tage in unserem schönen Hotel noch genießen.

Da wir noch Geschenke für Kinder hatten, Schulhefte und Bleistifte, nahmen wir diese mit an den Strand und schenkten sie einem etwa siebenjährigen kleinen Fischerjungen, der uns ein schönes Schneckenhaus gebracht hatte. Mit einem Jubelschrei stürzte er den Strand entlang. Indianergeheul! Die anderen Kinder hatten bei Geschenken immer zurückhaltend reagiert, aber diese Junge war wirklich happy.

Am Abreisetag durften wir unser Zimmer etwas länger behalten, so dass wir uns in Ruhe auf den langen beschwerlichen Weg nach Hause vorbereiten konnten. Wir verschenkten alles, was nicht mehr ins Gepäck passte und bei der Abholung versammelten sich der Hotelmanager, die Kellner und die Zimmerfrauen in der Lobby, um uns lange nachzuwinken.

Trotz aller Pannen, Ängste und Unsicherheiten haben wir dieses Land und seine Menschen (mit Ausnahme von Mr. An) lieb gewonnen und sehr viel gesehen. Wir bedauern nicht, dass wir keine Rundreise gebucht hatten. Vielleicht haben wir nicht alle Sehenswürdigkeiten gesehen, aber wir haben Land und Leute besser kennen gelernt und werden diese unvergessliche Reise in guter Erinnerung behalten. Und - wenn es möglich ist - werden wir wiederkommen, um auch den nördlichen Teil von Vietnam auf unsere eigene Weise zu erkunden.