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| Reisebericht VIETNAM 2003 |
Seite 8/9 |
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Auf einem unserer Spaziergänge entlang der Hauptstraße
hatten wir ein "Reisebüro" entdeckt, welches
fertige Touren anbot. Um dem Stress der sehr mühsamen
Verständigung mit unserer bisherigen Ausflugs-Organisatorin
zu entgehen, buchten wir kurzerhand für den nächsten
Tag eine Tour zu den berühmten Sanddünen von Mui
Ne, die ja nicht weit von unserem Hotel entfernt sein sollten.
Mit einem klapprigen Jeep wurden wir auch pünktlich von
Mr. An, dem Chef des Reisebüros, abgeholt und so lernten
wir auch mal die andere Richtung der Straße kennen,
an der unser Hotel lag. Bis zum eigentlichen Fischerort Mui
Ne war es doch recht weit und unterwegs sahen wir viele schmucke
Villen zwischen ärmsten Behausungen aus Reisstroh-Matten,
Lehm und Wellblech. Auch winzige Steinhäuser unterschiedlichsten
Verfalls werden wohl bald für Hotels und andere tourismusbedingte
Gebäude weichen müssen. Ob die Bevölkerung
dieses Küstenabschnittes wirklich auch die Nutznießer
dieser Veränderungen sind?
Das Dorf Mui Ne war ein typisch asiatischer kleiner Ort,
in dem es extrem stank, denn hier wurde auch Fischsoße
hergestellt. Über eine grobe Schotterpiste, die sich
- oh Wunder - kurz vor der Sehenswürdigkeit in eine breite,
gute Straße verwandelte, erreichten wir die hohen roten
Dünen, auf denen ameisengleich Hunderte von einheimischen
und japanischen Touristen herum krabbelten. Viele Kinder umringten
sofort das Auto, um große Plastikstücke zu vermieten,
auf denen man wie mit einem Schlitten die Dünen nach
Besteigung wieder herunter rutschen konnte. Auf solcherart
Vergnügen hatten wir keine Lust, aber die Kinder verfolgten
uns bis zur Abfahrt. Vom Kamm der Dünen hatte man eine
sehr schöne Aussicht auf das Meer und viele Fischerboote.
Der changchierende Sand bot, besonders bei Sonnenuntergang,
interessante Farbspiele.
Auf der Rückfahrt hielten wir noch an einem Aussichtspunkt
an, der einen sehr stimmungsvollen Blick auf den langen Strand,
die Palmen und die untergehende Sonne zuließ. Einige
junge Männer waren von meiner Videokamera sehr beeindruckt,
als sie sich selbst im Video sahen. Eigentlich sahen sie lieb
und harmlos aus, aber bei einigen von ihnen wäre ich
nicht sicher, ob der Besitzwunsch nicht größer
ist als die Gastfreundschaft. Auch hier war es sehr schmutzig.
Hilfe - jetzt brauchten wir einen Underberg, weil uns vor
Gestank und Dreck ganz übel war. Es war schön, nach
einem solchen Ausflug ins pure Asien wieder in die Geborgenheit
eines gepflegten Hotels und eines klimatisierten Zimmers zu
gelangen.
Am Wochenende war das Hotel sehr voll; außer den normalen
Wochenendgästen aus Saigon war noch ein gesamter Betrieb
zum Ausflug angereist. Samstag wurde emsig eine Abendveranstaltung
vorbereitet, wozu uns die Kellner auch sofort einluden. Unterhaltung
vietnamesisch: ein recht gutes Keyboard zur Begleitung und
der Reihe nach Darbietungen aus dem Zuschauer-Auditorium,
Karaoke. Die mehr oder weniger guten Beiträge (Gedichte,
Gesang) wurden von den Zuschauern mit kindlicher Freude aufgenommen.
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| In der City der Kleinstadt Phan Thiet
sind die Straßen auch Markt, Parkplatz und Fußweg. |
Da die Sanddünen-Tour gut verlaufen war, buchten wir
für den nächsten Tag "Market in Phan Thiet"
mit einem Abstecher zu den alten Cham - Tempeln, von denen
es in dieser Gegend noch einige gibt. "Market in Phan
Thiet" hieß, sich in ein Labyrinth von engen Verkaufsständen
schlingen zu lassen, wo eine Auswahl der Waren nicht möglich
war, weil man unter lauten "Madame" - Rufen von
hinten eine Hose angepasst bekam, von vorn einen BH, über
den Kopf eine Bluse und ans Handgelenk zehn Uhren. Außer
den Uhren war für mich alles viel zu klein. Aber die
Verkäuferinnen hatten bei allem Geschäftssinn viel
Humor und einen mädchenhaften Charme, so dass wir doch
einige Sachen kauften.
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| Einer der alten Cham - Tempel in der Nähe
von Phan Thiet. |
Zur "Erholung" gerieten wir auf die Straße
der Lebensmittel, wo Küken, Fische, Brote, Obst und Gemüse
zwischen Rikschas und Mopeds auf der Erde, in Körben
und an Stangen angeboten wurden. Und die Mühe eines Abfallbehälters
machte man sich auch nicht. Es war kein Durchkommen und kein
Durchatmen möglich. Wir flohen in eine Trinkhalle auf
eine kalte Brause, die sofort wieder den Verdauungsapparat
in Unordnung brachte, so dass ich auch noch diese leckere
Toilette kennen lernte.
Erleichtert konnten wir uns dann dem Cham-Tempel zuwenden,
den unser Fahrer ansteuerte. Gegenüber von einem alten
chinesischen Friedhof, dessen Gräber alle aufs Meer schauten,
sahen wir die beiden roten Tempel. Leider waren sie verschlossen,
so dass wir nur die Baukunst der teilweise verfallenen Türme
bewundern konnten. Nebenan saßen einige kleine Mädchen,
von denen eines gefallen war und bitterlich weinte. Sie hatte
eine kleine Wunde am Arm. Weil ich keine Geschenke bei mir
hatte, gab ich ihr ein Pflaster, um sie zu trösten. Plötzlich
waren wir von einer Schar anderer Kinder umringt, die alle
eine alte oder neue Wunde vorwiesen, die dringend mit einem
sauberen Pflaster versorgt werden musste.
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| Der Luftkurort Da Lat wird auch "Klein
Paris" genannt. |
Leider regnete es nachmittags stark, aber nicht lange. Wir
beschlossen, noch eine Tour nach Da Lat zu unternehmen und
konnten diese auch am Abend in dem Reisebüro mit festen
Angeboten noch buchen.
Böse Überraschung am nächsten Morgen: Der
Fahrer, der uns auch zu den Sanddünen gebracht hatte
(Mr. An) kam mit einem sehr, sehr alten Mercedes, in dem es
stark nach Benzin stank. Da es schon 06:00 Uhr war, konnten
wir nicht reklamieren, denn wir wollten ja nach Da Lat. Also
hieß es die Nase zu ignorieren und die Landschaft genießen.
Nach ca. 3 Stunden hielt Mr. An in einer Ortschaft am kleinsten
und dreckigsten Anwesen - hier sollten wir frühstücken!
Kein Bedarf!
Als es Richtung Berge ging, schwante uns nichts Gutes. Während
wir die engen Serpentinen befuhren, die zum ersten Pass führten,
schwang in jeder Kurve eine Vordertür auf, und wegen
der fehlenden Gurte befürchteten wir den Verlust des
Fahrers. Nach dem Pass erreichten wir eine fruchtbare Ebene
und in der nächsten Ortschaft besorgte Mr. An Gummiseile,
mit denen die Beifahrertür kurzerhand festgebunden wurde.
Die Fahrertür, sagte er uns, könne er festhalten.
Da wussten wir noch nicht, welche Wegstrecke uns noch bevorstand.
In engen Kehren ging es auf einer regennassen, handtuchschmalen
Straße bis auf knapp 2000 Meter hinauf. Uns war übel
und jeder Gegenverkehr jagte uns kalte Angstschauer über
den Rücken. Diese Horrorfahrt zog sich unendlich hin.
Später erfuhren wir, dass es dort noch eine wesentlich
bequemere und kürzere Straße gibt - unverständlich,
warum der Fahrer diesen gefährlichen Holperpfad wählte.
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