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Inzwischen hatte sich zu unserer "Reisegruppe"
auch noch ein Australier gesellt, so dass alle Erdteile munter
durcheinander schwatzten, als wir zum Abendessen an einer
langen Tafel saßen. Den Schlangenschnaps musste ich
leider ablehnen. Auch auf der Speisekarte standen Schlange
und Froschschenkel, das einzige italienische Nudelgericht
war auch nicht essbar und Salat wollten wir meiden (Cook it,
peel it or let it be). Also musste ein Bier für die Kalorienzufuhr
herhalten. Nach dem Essen wollte die gesamte Gesellschaft
noch irgendwo etwas trinken gehen, aber die Bürgersteige
waren schon hochgeklappt. Wir tranken dann in der Hotelhalle,
die auch als Garage für unseren Kleinbus und den kleinen
LKW des Hotels diente, noch ein Bier und gingen schlafen.
Leider konnten sich die beiden alten Hongkong-Chinesen, die
uns gegenüber wohnten und die wir aufgrund der oben offenen
Zimmerwände gut hören konnten, die halbe Nacht nicht
entschließen, ob sie bitter husten oder brechen mussten.
Oberflächlich mit Baby-Feuchttüchern gereinigt,
erwarteten wir am nächsten Morgen das Frühstück.
Der dicke Wirt von gegenüber hielt uns die schmierigste
Speisekarte aller Zeiten unter die Nase und wir dankten höflich.
Doch der Guide meinte, genau das sei die einzige Möglichkeit
eines Frühstücks. Wir bestellten die besten Baguettes,
die wir in diesem Urlaub je bekamen. Ein in den Nieselregen
auf den Gehweg gerückter Tisch ersetzte den Frühstücksraum.
Aber inzwischen hatten wir uns so an Asien gewöhnt, dass
wir das Ambiente der erwachenden Kleinstadt genossen.
Der Bus brachte uns zu einer weiteren Bootsanlegestelle,
da heute die schwimmenden Märkte auf dem Programm standen.
Das kleine Boot verfügte über ca. 10 cm hohe Bonsai-Bänkchen,
die unter unserer teutonischen Last ächzten. Die schwimmenden
Märkte hier sind nicht vergleichbar mit denen in Thailand,
da sie weniger bunt und touristenorientiert sind - im Gegenteil:
hier war der tägliche Kampf um das nackte Überleben
deutlich, da von alten Frauen kleine Mengen Feldfrüchte
angeboten wurden, Kinder schwere Reis-Säcke schleppten
und ganze Familien auf kleinsten Booten wohnten.
Lieber Gott, wir danken dir, auf der privilegierten Seite
der Erde geboren worden zu sein!
Baden im Mekong, Abfälle in den Mekong, Öffnungen
der Klohäuschen über dem Mekong, Wasser für
die Küche aus dem Mekong
und auch sonst Asien pur.
Hier gab es keine Touristenläden und keine Show - nur
das harte Leben zum Überleben. Die Menschen waren zurückhaltend
und freundlich, sie machten ein in ihr Schicksal ergebenen
Eindruck. Aber welche Alternative haben sie hier schon? Die
kleineren Kinder waren fröhlich, lernten schnell etwas
Englisch und strichen staunend über die etwas stattlichen
Bäuche der Touristen: "Papa Buddha!". Wenn
sie genug lernen und friedlich leben können, könnten
sie eines Tages aus diesem wunderschönen Land auch ein
lebenswertes Land machen.
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