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Reisebericht VIETNAM 2003 Seite 4/9
 
Tag 6 und 7 «   »
 

Dafür, dass wir bei der Buchung dieser Tour große Verständigungsprobleme hatten, klappte die Abholung zur Mekong - Tour einwandfrei. In dem Kleinbus befanden sich nur junge Leute. Wie wir später erfuhren waren das ein Kanadier, zwei Schotten, ein Spanier, zwei Südafrikaner, dazu der vietnamesische Guide und der Fahrer. Nach ca. 3 Stunden hatten wir einen größeren Arm des Mekong erreicht, von wo es mit Booten weitergehen sollte. Pünktlich stellte sich sintflutartiger Regen ein und kleine Kinder hielten Regencapes zum Kauf ans Busfenster.

Kindliches Entertainment für Touristen im Mekong-Delta
Kindliches Entertainment für Touristen im Mekong-Delta
Mit Plastik bespannte Strohhüte gehören in der Regenzeit zur Komfortausstattung der flachen Motorboote.
Mit Plastik bespannte Strohhüte gehören in der Regenzeit zur Komfortausstattung der flachen Motorboote.

Aber wir hatten schon in Deutschland vorgesorgt. Da das gecharterte Boot nur sehr dürftig überdacht war, wurde es eine sehr feuchte Angelegenheit. Beim ersten Stopp auf einer Insel begrüßte uns eine Gruppe vietnamesischer Musiker mit einheimischen und internationalen Liedern. Besonders erfolgreich waren die beiden kleinen Sängerinnen (ca. 8 - 10 Jahre) beim anschließenden Geldeinsammeln. Es gab Früchte und Tee - eigentlich eine sehr hübsche Idee, um das Land den Touristen besser vorzustellen. Mit gepaddelten Kanus ging es im strömenden Regen weiter durch kleine Flussarme. Die Bootsführer teilten die typischen Strohhüte, mit Plastikfolie regenfest gemacht, aus. Leider hinderte mich der Regen am Filmen, aber der Eindruck der sattgrünen Pflanzen, die zu beiden Seiten grüne Wände bildeten, ist auch so unauslöschlich geblieben.

Auf einem größeren Boot brachte man uns in ein Restaurant zum Lunch. Hier saß der Spanier an unserem Tisch und da wir alle ähnlich langsam Englisch sprachen, unterhielten wir uns sehr gut. Von ihm erfuhren wir auch, dass die Übernachtung für diese 2 - Tage - Tour auch im Preis von insgesamt 15 US$ enthalten war. Für die kommende Nacht ahnten wir nichts Gutes.

Weiter ging es - immer noch im Regen - auf eine andere Insel, auf der eine Palmzuckerfabrik war. Wir kauften pflichtschuldig einige Päckchen Süßigkeiten und tranken Palmschnaps, der die Stimmung merklich auflockerte und einen die nassen Klamotten vergessen ließ.
Leider hatte dieser Palmschnaps noch eine andere Wirkung: Als wir uns mit dem Kleinbus in eine Warteschlange vor der Fähre einreihen mussten, überkam mich mit Macht ein menschliches Bedürfnis, aber eine Toilette war erstmal weit und breit nicht zu erwarten. So begleitete mich der Guide zu einem Privathaus, in dessen Erdgeschoß eine Art Geschäft untergebracht war und fragte nach einem "Bathroom". Man brachte mich in einen Verschlag, in dem es eine Wasserleitung und eine Plastikschüssel gab. Das war aber nicht das, was ich brauchte. Also musste ich mich selbst verständlich machen. Nachdem ich undamenhaft mit zusammengepressten Beinen hin und her gesprungen war, brachte man mich zu einer Toilette. Erleichterung auf der ganzen Linie. Das Trinkgeld, was ich der Familie gab, könnte sie auf eine Geschäftsidee bringen.

Der Mekong ist hier mehrere Kilometer breit und die Fahrt in der Abenddämmerung auf der riesigen, sehr vollen Fähre ließ mich in Gedanken eine Schlagzeile lesen: "Überfüllte Fähre sank im Mekong - Delta". Aber es ging alles gut und wir erreichten das Hotel, das meinen Erwartungen voll entsprach: Gefängniszelle mit vergittertem Fenster, an der Decke offen zum Korridor (Geräuschkulisse aus allen Zimmern dieser Etage). Aber es gab ein Bad, dessen besonderer Service in einem Kamm bestand, der ehemals rot, aber jetzt schwarz war und im Zahnputzbecher auf Benutzung wartete. Diesen Service nutzten wir nicht und da es in diesem Bad sehr streng roch, besuchten wir auch die anderen Einrichtungen nur im Notfall. Zum Glück hatte ich ja ein großes Paket feuchte Babytücher mit.